MOOG MOTHER-32

Moog Mother-32 auf korg Minilogue

Moog Mother-32 auf korg Minilogue

Wer eine kauft, soll sie auch registrieren. Mother-32 ist ein semimodularer Synthesizer mit einer großen Schaltmatrix mit 32 Buchsen, daher die Zahl. Dazu kommt ein Sequencer mit einigen besonderen Funktionen. Die Steuerung ist primär analog, es gibt aber auch einen MIDI-Eingang. Die Sequencer-Step-Anzahl ist ebenfalls 32, nämlich zwei Takte à 16 Steps.

Semimodular bedeutet, dass nicht alle Bereiche ganz frei zu verschalten sind. Der Zugang ist aber zu allem weitgehend hergestellt. Moogs Mutti ist sehr viel modularer als ein ebenso bezeichneter MS20, der faktisch gar keinen Zugriff auf den Audio-Signalfluss erlaubt. Bei Moog erhält man die Signale der einzelnen Baugruppen als Ausgangssignale komplett am Patchfeld.
Hier einige unverfrorene Vorinformationen, die die meisten vermutlich kennen: Der Minimoog aus den 70ern hatte drei Oszillatoren und war wie Mother-32 monophon, er war im Gegensatz zu Mother jedoch nicht modular oder offen nach außen zugänglich (außer der CV/Gate-Steuerung). Mother ist ein Gerät mit offener(er) Struktur und besitzt genau einen Oszillator. Man kann aber mehrere verbinden und so ergänzen. Es stellt sich die Frage: Wenn man drei Mütter hat, bekommt man eine(n) Minimother (also kann man damit den Großmutter-Minimoog-Sound erreichen oder ist das eher eine Stiefmutter mit anderen Qualitäten)? Kann man sich strukturell einen Minimoog bauen? Jein, denn der Sound ist zwar ‚Moog‘, aber anders, nämlich mehr ‚new school‘. Man bekommt den durchaus dicken Sound der eher neueren Moogs und kann jeweils einen Oszillator, ein Filter und einen Verstärker in den Klang integrieren, und die Struktur wäre fast hergestellt, die ein Minimoog darstellt. Außerdem ist eine AD-Hüllkurve mit Sustain-Schalter und ein LFO verbaut. Das bedeutet Kontrolle über Tonhöhe, Klang und Lautstärke pro Mutter, was mehr ist als im Mini, jedoch ist die Hüllkurve reduziert (AD/ADS schaltbar statt ADS mit identischem R und S frei regelbar). Mit zwei Müttern ließe sich allerdings ein klassischer ‚großer‘ Synthesizer zusammenbauen. Sync und Ringmodulation sind nicht vorgesehen, FM jedoch schon. Dies ist über einen Eingang für lineare FM sinnvoll umgesetzt. Damit lassen sich nicht nur ‚dreckige‘, sondern besser steuerbare, experimentellere Klänge realisieren – es wird gezielter metallisch als bei der groben exponentiellen Fassung. Für die Ringmodulation könnte man einen externen Ringmodulator verwenden (Moog selbst bietet den Moogerfooger MF102 an). Der Sync-Effekt für scharfe Lead-Sounds hingegen lässt sich nur mit passenden Sync-Anschlüssen umsetzen. Ringmodulation war früher bei Moog rar, der Minimoog hatte aber dies alles nicht an Bord. Allerdings bleibt der Vergleich mit ihm weiter hinkend, da der Sound dem seinen nicht entspricht, sondern nur ähnlich ist. Der Klang insgesamt ist allerdings massiv. Das Verhalten der Resonanz erinnert definitiv mehr an die letzten Modelle wie Sub37 und SubPhatty, was sich in einem gewissen Ausdünnungsfaktor bei mehr Resonanz niederschlägt, sie zirpt ordentlich, jedoch reduziert sich der Bass auch etwas. Der Sequencer kann eine ganze Menge. Unter anderem auch Ratcheting, was eine einstellbare Menge an Triggersignalen pro Step bedeutet und damit eine irre Geschwindigkeit bzw. scheinbare hohe Auflösung vorlegt. Die Hüllkurve davon ein schönes Her(t)zrasen, wie man es von Atom™ / Lassigue Bendthaus oder sehr alten Werken von Tangerine Dream kennt – jedoch wohl weniger im EDM-Bereich als mehr in Jungle oder Techno einsetzen wird, vielleicht auch in progressivem Synthpop. Die Nutzer der alten Electribe-Serie in Blau und Rot kennen die Funktion als Roll, jedoch ist sie hier erweitert. So weit die Übersicht.

 

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